Referenz

Digitale Identitäten im ÖPNV neu gedacht

Mehr Komfort und Sicherheit durch europäische Wallet-Lösungen

Referenz MVV

Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH

Die Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH ist einer der führenden Akteure im regionalen öffentlichen Personennahverkehr in Deutschland. Mit einem breiten Mobilitätsangebot und einer hohen Nutzerreichweite bildet der Verbund eine zentrale Schnittstelle für Millionen von Fahrgästen im Großraum München. Digitale Vertriebskanäle wie die App und die Web-Fahrplanauskunft spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Datenschutz insbesondere im Kontext digitaler Ticketing-Prozesse.

Herausforderung

Der digitale Ticketkauf im ÖPNV steht im Spannungsfeld zwischen maximalem Komfort und notwendiger Sicherheit. Einerseits sollen Fahrgäste Tickets möglichst schnell und ohne Hürden erwerben können, idealerweise ohne Registrierung oder manuelle Eingabe persönlicher Daten. Andererseits erfordert die Personalisierung von Tickets eine verlässliche Identifikation, um Missbrauch und Betrugsfälle zu verhindern. 

Beim MVV zeigte sich dieses Spannungsfeld besonders deutlich. Die bisherige Praxis basierte auf manuell eingegebenen Nutzerdaten sowie etablierten Federated- Login-Verfahren. Diese ermöglichten bereits einen komfortablen Zugang zu digitalen Angeboten. Gleichzeitig bieten neue Ansätze für digitale Identitäten zusätzliche Möglichkeiten, den Ticketkauf weiterzuentwickeln und die Identifikation von Nutzerinnen und Nutzern noch stärker mit einem möglichst einfachen und nahtlosen Kaufprozess zu verbinden.

Im Rahmen eines Förderprojekts sollte eine Lösung entwickelt werden, die:

  • Zugangshürden für Gelegenheitsnutzer und Touristen deutlich reduziert,
  • eine sichere und verifizierte Identität bereitstellt,
  • auf offenen und möglichst europäischen Standards basiert,
  • langfristig skalierbar und weit verbreitet ist.
     

Ziel war es daher, verschiedene Technologien für digitale Identitäten systematisch zu analysieren und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für eine zukünftige Umsetzung zu schaffen.

Lösung

SVA unterstützte den MVV im Rahmen eines strukturierten Benchmark-Projekts bei der Bewertung und Einordnung verschiedener Identitätslösungen und entwickelte darauf aufbauend ein konkretes Umsetzungskonzept. 

Strukturierter Technologievergleich 
Im ersten Schritt wurden unterschiedliche Technologien und Anbieter identifiziert und analysiert. Dazu gehörten unter anderem nationale und europäische Identitätslösungen sowie marktverfügbare Lösungen und innovative Ansätze aus dem Bereich Self Sovereign Identity. 

Bewertet wurden die Lösungen anhand klar definierter Kriterien wie:

  • Nutzerfreundlichkeit und Verbreitung
  • Datenschutz und Datensouveränität
  • Integrationsfähigkeit in bestehende Systeme
  • Risiko eines Vendor Lock-In
  • Barrierefreiheit und Skalierbarkeit

Zusätzlich wurden konkrete Anwendungsszenarien des MVV berücksichtigt, um die Eignung der Lösungen praxisnah zu bewerten.

Klare Zielarchitektur mit EUDI-Wallet
Aus dem Vergleich kristallisierte sich die europäische EUDI-Wallet als bevorzugte Zieltechnologie heraus. Ausschlaggebend waren insbesondere:

  • das hohe Vertrauensniveau durch staatliche Verankerung,
  • die europäische Standardisierung im Rahmen der eIDAS-Verordnung,
  • die erwartete breite Verfügbarkeit für Bürgerinnen und Bürger innerhalb der EU. 

Technisch basiert die Integration auf einem EUDI-Gateway, das als Vermittlungsschicht zwischen Wallet und bestehenden Systemen fungiert. Über standardisierte Schnittstellen werden Identitätsdaten sicher übertragen und können direkt in bestehende IAM-Systeme (Identity and Access Management) integriert werden.

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der klaren Trennung der Verantwortlichkeiten. Die Kommunikation mit der Wallet wird vollständig über das Gateway abgewickelt, wodurch sich der Integrationsaufwand für den MVV deutlich reduziert.

Fachkonzept und Umsetzungsstrategie
Neben der technologischen Bewertung entwickelte SVA ein detailliertes
Fach- und Umsetzungskonzept. Dieses umfasste:

  • Analyse der bestehenden Systemarchitektur,
  • Definition von Integrationspunkten für die Wallet,
  • Anpassung bestehender Prozessabläufe im Ticketkauf,
  • Erstellung eines priorisierten Anforderungskatalogs,
  • Aufwandsschätzung und Roadmap für eine mögliche Implementierung.

Darüber hinaus wurden regulatorische Rahmenbedingungen sowie Risiken bewertet und in das Konzept integriert.

Fazit

Das Projekt liefert eine fundierte Grundlage für die zukünftige Integration digitaler Identitäten im ÖPNV. Der MVV verfügt nun über ein klares Zielbild, eine priorisierte Lösungsstrategie und eine belastbare Entscheidungsbasis für die nächsten Schritte. 

Besonders wertvoll ist die Kombination aus höherem Nutzerkomfort und gesteigerter Sicherheit. Fahrgäste können künftig Tickets einfacher erwerben, während gleichzeitig die Qualität und Verlässlichkeit der Identitätsdaten deutlich steigt. Betrugsfälle lassen sich so erheblich reduzieren und besser nachvollziehen. 

Die Zusammenarbeit zwischen dem MVV und SVA war geprägt von engem Austausch, hoher Transparenz und einer klaren Fokussierung auf die Anforderungen des Kunden. SVA konnte nicht nur Technologien bewerten, sondern auch strategische Perspektiven aufzeigen und konkrete Umsetzungspfade entwickeln.

Auf einen Blick

AUFGABE

 

Durchführung eines strukturierten Benchmark-Projekts zur Bewertung digitaler Identitätslösungen und Entwicklung eines Umsetzungskonzepts für den Einsatz im digitalen Ticketing

 

SYSTEME UND SOFTWARE

  • Analyse verschiedener Identitätslösungen wie EUDI-Wallet, BundID, eID, Verimi, Nect, sowie Technologien aus dem Bereich Self Sovereign Identity und Distributed Ledger
  • EUDI Gateway zur Integration in bestehende Systeme
  • Anbindung an bestehende IAM-Strukturen

VORTEILE

  • Reduzierung von Betrugsrisiken durch verifizierte Identitäten
  • deutlich vereinfachter Ticketkauf ohne manuelle Dateneingabe
  • Unabhängigkeit von internationalen Plattformen
  • Nutzung europäischer Standards und Infrastruktur
  • klare Entscheidungsgrundlage für
    zukünftige Umsetzung
  • skalierbare und zukunftsfähige Architektur
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